Was ist Budo, Ju Jutsu usw..?

Für Viele sind Begriffe wie Budo und so weiter ein Buch mit sieben Siegeln. Auch für Eingeweihte ist das Wissen über die asiatischen Kampfkünste, deren Herkunft, Traditionen und Philosophien ein weites, schier unüberschaubares Feld. Wir wollen hier versuchen, ein klein wenig Licht ins Dunkel zu bringen, und ganz kurz zu skizzieren, was in unserer Schule angeboten wird.

Was ist...?

Budo
Ju Jutsu
Karate
 

 

Budosetzt sich aus den japanischen Worten Bu, das soviel wie tapfer, militärisch, kriegerisch bedeutet, und Do zusammen. Do wiederum bedeutet Weg, Lehre, Philosophie, Prinzip. Der Begriff Bushi bezeichnet einen Krieger und Samurai (jap. wörtl.: Dienender), den japanischen Ritter. Budo kann man somit als Weg des Kampfes oder Weg des Samurai übersetzen. Budo wird heute als Oberbegriff für die Gesamtheit der vielfältigen asiatischen Kampfkünste verwendet.
Im Gegensatz zum Begriff Bujutsu (Jutsu = Kunst oder Kunstgriff), der die reine technische Kriegs- oder Kampfkunst beschreibt, beinhaltet der Begriff Budo den wichtigen philosophischen Aspekt Do. Das ernsthafte Üben des Budo beschreibt also einen Weg, auf dem man wandelt. Ein Weg, in dessen Verlauf man sich selbst wandelt, nicht nur vordergründig die Physis des Sporttreibenden, die Fitness und Widerstandskraft, die Fähigkeit, Angriffe abzuwehren und sich zu verteidigen, sondern weit mehr. Es ist ein Weg der Persönlichkeitsentwicklung, ein Weg zu Selbsterkenntnis und Selbstvertrauen, zu Ausgeglichenheit, innerer Harmonie und Frieden. Es ist ein Weg, auf dem man sich Auseinandersetzungen stellen muss, mit seinem “Gegner”, der immer ein Partner ist, aber vor allem auch mit sich selbst. Ein wahrer Budoka (ein Budo-Treibender) muss sich selbst und anderen auf der Straße nichts beweisen, und er wird ausserhalb des Dojo (jap., Ort des Weges, Trainingsstätte) oder der Wettkampffläche nur kämpfen, wenn es absolut unvermeidlich ist.
Im Budo lebt Bushido, der traditionelle Ehrenkodex der Samurai, weiter, auch wenn die Bedeutung in manchen Sparten des Kampfsports etwas nachgelassen hat. Die traditionellen Werte können in fünf Bereiche eingeteilt werden:

- Treue, Loyalität
- Ehrgefühl, Wahrheitsliebe, Aufrichtigkeit und Gerechtigkeit
- Höflichkeit, Ehrerbietung, Liebe
- Tapferkeit, Mut, Härte, Kaltblütigkeit, Geduld, Ausdauer und Fleiß
- Einfachheit, Bescheidenheit, äussere und innere Reinheit
  

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Ju Jutsu besteht aus den Worten Ju und Jutsu. Ju bedeutet sanft, nachgeben, ausweichen. Jutsu bedeutet Kunst, Kunstgriff, Technik. Ju Jutsu bedeutet also sanfte Kunst oder Kunst des Nachgebens. Dies heißt nicht, dass Ju Jutsu immer sanft sein muss. Im Gegenteil, Ju Jutsu kann für den Angreifer auch sehr hart ausgeführt werden. Die Bezeichnung verdeutlicht vielmehr das ökonomische Prinzip des Ju Jutsu, dass man durch ausweichen und nachgeben die Kraft des Angreifers für die Zwecke der Verteidigung ausnutzt, und man mit möglichst geringem Aufwand eine möglichst hohe Wirkung erzielt. Dies befähigt auch körperlich schwächere Menschen, sich durch Anwenden von Technik gegen einen stärkeren Gegner zur Wehr zu setzen.
Ju Jutsu war die alte waffenlose Kampfkunst der Samurai. Aus dem Ju Jutsu entwickelten sich Stile und Sportarten wie zum Beispiel Judo oder Aikido. Auf Ju Jutsu, oder Jiu Jitsu, und Judo wurde man in Deutschland im Wesentlichen erst Anfang des 20. Jahrhunderts aufmerksam. In den Sechzigern befand man, dass das bis dato in Deutschland ausgeübte Jiu Jitsu nicht mehr den Anforderungen der Polizeien entsprach, da sich ein Wandel in den Angriffen vollzogen hatte. Hochrangige Dan-Träger (Dan = Meistergrad) aus Aikido, Judo und Karate schufen eine neue Synthese aus den effektivsten Techniken dieser Sportarten, die ja größtenteils aus dem alten Ju Jutsu entstanden sind, um die Selbstverteidigung den modernen Erfordernissen anzupassen. Im Laufe der Zeit kamen auch Einflüsse aus anderen Bereichen dazu, z.B. aus den Eskrima-Stilen im Bereich des Stock- und Messerkampfes.
Im Ju Jutsu wird die Verteidigung gegen Angriffe aus allen Distanzen, von der weiten Distanz über die Nahdistanz bis in den Bodenkampf trainiert, gegen unbewaffnete wie auch mit Stock, Messer, Kette oder später auch mit einer Pistole bewaffnete Angreifer. Im Ju Jutsu werden Abwehr-, Schlag-, Tritt-, Wurf-, Hebel-, Nervendruck-, Würge-, Festhalte- und Kontrolltechniken erlernt. Durch die Vielfalt der Möglichkeiten ist Ju Jutsu ein flexibles System, das dem Ju Jutsuka (Ju Jutsu -Treibender) erlaubt, sobald er ein gewisses technisches Repertoire besitzt, sich seinen persönlichen Stil entsprechend seinen körperlichen Gegebenheiten oder seinen Vorlieben zu entwickeln.
Ju Jutsu ist fester Ausbildungsbestandteil bei Polizeien der Länder, BGS und anderen Institutionen. Es wird in manchen Einheiten tagtäglich im Einsatz benötigt und die Wirksamkeit unter Beweis gestellt.


Videotrailer des Deutschen Ju Jutsu Verbandes e.V.:

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Karate ist japanisch und besteht ebenfalls aus zwei Worten. Kara bedeutet leer und Te bedeutet Hand. Somit heißt Karate Leere Hand. Doch das war nicht immer so, und obwohl Karate heute zu den japanischen Kampfkünsten gerechnet wird, entstammt es nicht direkt der Samurai-Tradition, sondern wurde auf Okinawa, der größten Insel der Ryukyu-Inselgruppe, die Japan vorgelagert ist und ein natürliches Sprungbrett für die vielfältigen chinesischen Einflüsse auf Japan bildete, entwickelt. Auf Okinawa existierte eine alte, harte Kampfform, das Okinawa-Te (Te = Hand). Aus dem Okinawa-Te und dem aus China eingeführten chinesischen Kempo, das aus der Tradition des Shaolin entstammte, entwickelte sich Karate. Wobei das ursprüngliche Zeichen Kara für China in der Periode der Tang-Dynastie, oder im allgemeinen Sprachgebrauch auch für China stand. Dieses für China stehende Zeichen wurde am Anfang des 20. Jahrhunderts von Gichin Funakoshi, dem Begründer des modernen sportlichen Karate, durch das Zeichen für leer ersetzt. Der Bevölkerung auf Okinawa war es sehr lange Zeit verboten, Waffen zu tragen. Karate wurde im Geheimen betrieben, um sich gegen bewaffnete Soldaten und Räuberbanden zu wehren. Es entwickelten sich verschiedene Stile. Ein Meister eines Stiles war Gichin Funakoshi, der 1917 in den Tokyoter Palast für Kampfmoral eingeladen wurde, um seine Kunst zu demonstrieren. Der künftige Kaiser war davon begeistert. Funakoshi eröffnete später seine Schule, die er nach seinem Künstlernamen Shotokan nannte, auf dem japanischen Festland. Karate begann sich auszubreiten. Weitere Meister aus Okinawa folgten und eröffneten ihre Schulen, die sie zum Beispiel Goju-Ryu oder Wado-Ryu nannten, wobei in letztere auch Ju Jutsu- Elemente aufgenommen wurden.
 Karate hat sich in erster Linie auf blitzschnelle und harte Tritt- und Schlagtechniken spezialisiert, die mit fast allen harten Körperteilen, hauptsächlich allerdings mit den Armen, ausgeführt werden. Die Wurf- und Hebeltechniken sind auf ein Minimum reduziert. Charakteristisch für Karate ist die explosive Entladung der Energie in einem kurzen Augenblick der Kontaktaufnahme mit dem Gegner, die meist von einem Kiai (Schrei) begleitet wird. Im Karate wird sehr viel Wert auf Atemtechnik gelegt. Die Techniken werden paarweise trainiert, in der Gruppe als Grundschule oder allein in einer Kata, in einer festgelegten Form oder Reihenfolge von Techniken, die einen imaginären Kampf mit einem oder mehreren Gegnern darstellt. Das Üben der verschiedenen Kata fördert die technische Analyse, die Präzision der Techniken und die richtige Atemtechnik. Kata gibt die Möglichkeit, die Techniken in einer festen Form alleine, immer und überall wo ein wenig Platz zur Verfügung steht und in hoher Wiederholungszahl zu trainieren. Das Laufen einer Kata ist Meditation in Bewegung und fördert die Konzentrationsfähigkeit.
Der Begriff “Leere” wird von Funakoshi so erklärt: ”Wie die Oberfläche eines Spiegels alles widerspiegelt, was davor steht, und ein ruhiges Tal auch leise Töne widerhallt, so soll der Karateschüler sein Bewusstsein von Egoismus und Bosheit entleeren, damit er auf alles, was ihm begegnet, richtig reagieren kann. Das ist die Bedeutung von Kara oder leer in Karate.”



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Literatur:
A. Dolin: Kempo, die Kunst des Kampfes; B. Williams: Die Kunst der Selbstverteidigung; H. Velte: Ju Jutsu Wörterbuch

 

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